♥-lich willkommen auf meinem Blog. Wenn ich mich kurz vorstellen darf, ich heiße Lena und komme aus Hessen. Ich hoffe euch gefallen meine Posts.

Samstag, 10. Oktober 2015

Freitag Nacht

Kennt ihr das? Ihr lauft nach Hause, alleine im Dunklen, ein kalter Wind weht und doch ist es still. In einigen Häusern brennt noch Licht, aber in den Straßen herrscht Leere. Rasch haben sich eure Augen an die Finsternis gewöhnt, die nur ab und an von einer schwach flackernden Straßenlaterne unterbrochen wird. Heute ist so eine Nacht. Ich habe den Abend bei Clara verbracht, wir schauten Filme, jeder aß ungefähr einen Zentner Popcorn, also nichts Aussergewöhnliches eben. Obwohl mir mein Bauch immernoch weh tut. Als ich mich auf den Nachhause Weg machte war es schon spät geworden, ich trat vor die Tür und es war, wie würde man mich in der Arktis ausgesetzt haben - eiskalt. Mit den Händen in den Jackentaschen ging ich los, wählte den Weg durch das Wohngebiet, nicht an der Straße entlang. Bilde mir immernoch ein, es wäre sicherer, denke aber mittlerweile, dass es Schwachsinn sein muss. Die Menschen aus dem Viertel werden bereits schlafen, an einer Hauptstraße kommt vielleicht das ein oder andere Auto vorbei. Egal. Kommt es nur mir so vor, oder ist es bei euch auch ähnlich; in diesen Momenten der absoluten Stille und Einsamkeit, nehmt ihr dann nicht ebenfalls jeden Schritt wahr, den euer Körper macht, spürt ihr nicht wie die Luft aus euren Lungen strömt, Atemzug für Atemzug? Wahrscheinlich nicht. Kaum bin ich um die erste Ecke gebogen blinkt das Auto wenige Meter vor mir auf, als hätte es jemand auf oder abgeschlossen. Ich gucke mich um, niemand da. Zwangsweise laufe ich daran vorbei, niemand befindet sich darin. Komisch. Doch ich denke mir nicht viel dabei, glaube in der Ferne Schritte wahrnehmen zu können, halte sie für eine Spur des Besitzers. Nachts ist alles irgendwie anders, die Menschen mutieren zu Schemen, jedes Rascheln im Gebüsch  hat plötzlich eine Bedeutung, zumindest im eigenen Kopf und die Häusern, die Lichtern erscheinen uns wie der sichere Halt. Tagsüber ist das irgendwie anders, oder man denkt einfach nicht darüber nach. Der Weg von Clara bis zu mir ist ehrlich nicht weit, nur wenige Minuten trennen uns voneinander und er ist nicht gefährlich, eigentlich. Ein einziger Mann bereitet mir Sorge. Er wohnt am Ende meiner Straße, ist undefinierbar alt, arbeitslos - ein richtiger Einsiedler. Ungepflegtes Äußeres, kaum Zähne die nicht schief stehen oder abgebrochen sind und das Schlimmste; irgendwie hat er mich im Auge. Denn er sieht mich, wenn ich zum Bus gehe, manchmal steigt er ein und setzt sich zu mir, schleicht oftmals vor meinem Haus herum etc. Das alles macht mir nicht wirklich Angst, aber bei Nacht, bei Nacht werden die Karten neu gemischt sozusagen. Letztes Wochenende, als ich aus Seligenstadt heimlief, begegnete er mir in einer dunklen kleinen Straße. Wohlgemerkt um 2 Uhr nachts und trug Zeitungen aus, er war zwar ein Stück entfernt, doch konnte mich aus der Distanz dennoch ausmachen. Ich schlug einen anderen Weg ein, er kam mir nach. Ich rannte sogar das letzte Stück bis zu meinem Haus, dabei hatte ich weder bequeme renntaugliche Schuhe an, noch war ich in einer guten körperlichen Verfassung. Ihr wisst, einen Tag später musste ich ins Krankenhaus... Und seit dem macht es mir Angst alleine nachts draußen rumzulaufen, auch auf so einem kurzen Stück. Denn in solchen Momenten merkt man die Angst intensiver, weil es nichts gibt, worauf es sich sonst zu konzentrieren gelte. Da ist nur man selbst, die Stille und seine Angst.